Alle guten Wünsche
für 2012
Magdeburg, im Januar 2012
Liebe Freunde der Magdeburgischen Gesellschaft, sehr geehrte Damen und Herren,
es ist ein schöner Brauch des Vorstandes der Magdeburgischen Gesellschaft von 1990 e.V., Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes und glückliches Neues Jahr zu wünschen.
2011 war für die Magdeburgische Gesellschaft wieder ein ereignisreiches Jahr.
Gleich im Januar beteiligten wir uns an der “Meile der Demokratie”. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, für die 1990 wiedergewonnene bürgerliche Freiheit und unsere Demokratie einzustehen und den Gedenktag der Zerstörung Magdeburgs am 16.Januar 1945 nicht von den Rechten missbrauchen zu lassen.
Das bestätigten auch viele Gespräche, die wir mit Bürgerinnen und Bürgern an unserem Stand am Alten Markt führten.
Im Februar hielt unser Vorstandsmitglied Prof. Dr. Mathias Tullner einen Vortrag zum Thema „Die (fast) vergessene deutsche Kolonial-geschichte und der regionale Beitrag des Magdeburger Landes.”
Wir verfolgen mit unserer Vorstands- und Vereinsarbeit u.a. das Ziel, eine möglichst große Anzahl von Menschen, Vereinen und Organisationen zu erreichen, die sich auf unterschiedliche Art und Weise eines Themas annehmen: der Identifikation mit unserer Heimatstadt Magdeburg ! Daher haben wir diesen interessanten Abend in Kooperation mit der Auslandsgesellschaft Magdeburg veranstaltet.
Im März war unser Partner der Richard-Wagner-Verband Magdeburg. Der Musikwissenschaftler Dr. Thomas Miller berichtete über das Leben und Wirken Richard Wagners in Magdeburg, wo der damals noch unbekannte Komponist seine Jugendoper “Das Liebesverbot” uraufführte und begann, sich von der traditio-nellen Oper abzuwenden.
Ohne Gewerbe keine Künste. So war es eine Freude, dass uns der Beigeordnete für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr der Landeshauptstadt Magdeburg, Dr. Dieter Scheidemann, im Juni durch den Wissenschaftshafen begleitete und uns die Geschichte und Zukunft dieses Areals anschaulich darlegte. Er zeigte uns, wie städtbauliche Ideen und Visionen Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen können.
Unsere jährliche Busexkursion führte uns im Sommer über Zerbst nach Dessau und in den Wörlitzer Park. Auf dem Rückweg besuchten wir noch die Wasserburg in Rosslau – ein vielen bis dahin unbekanntes Bauwerk mit Teilen aus dem 11./12. Jahrhundert. Alle Teilnehmer waren von der Reise begeistert und freuen sich bereits auf unser Angebot im Jahr 2012.
Es wird eine Exkursion auf den Spuren der Ottonen in die Vorharzregion werden.
Zum Schulanfang im August setzten wir die bereits zur Tradition gewordene Aktion „Kulturschultüten“ mit großem Erfolg fort. Alle rund 1 800 Magdeburger Erstklässler erhielten kostenlose Gutscheine, beispielsweise für das Puppentheater und das Theater Magdeburg, den Zoo, die Musikschule, das Museum, zum Besuch des Elbauenparks und verschiedener Sportveranstaltungen. Das Angebot wird abgerundet mit einem Malheft über Magdeburg.
Anlässlich des Reformationstages waren wir Mitveranstalter des öffentlichen Workshops “Reformation –Wissenschaft – Tourismus”, der Anfang November im Rathaus stattfand. Eine gute Gelegenheit für uns, vor der Johanniskirche eine Roteiche zu pflanzen, nachdem der ursprünglich dort stehende Baum in einem Sturm entwurzelt worden war. Mit diesem Sponsoring, ergänzt durch eine Steinplatte, gespendet von der Firma Paul Schuster, ist das Ensemble vor der Johanniskirche wieder komplett.
Das Projekt der Errichtung des Basedow-Denkmals geht voran. Wir planen spätestens 2013 die Errichtung am Elbufer (am ehemaligen Bauarbeiter-Hotel).
Das Thema “Bildung” ist und bleibt aktuell. Hat doch ein bundesweit erschienener Artikel der “Zeit” getitelt: “Wären wir doch den Ideen des Magdeburger Basedow mehr gefolgt, hätten wir bei “PISA” besser abgeschnitten.”
Das Jahr endete mit unserem traditionellen Weihnachtskonzert im Kloster Unser Lieben Frauen, diesmal mit dem Rossini-Quartett und Gästen. Es war ein sehr gelungener Abend, der die Besucher in vorweihnachtliche Stimmung versetzte.
Nach dem Überblick über das Geistige, wollen wir uns auch den technischen Herausforderungen der heutigen Zeit stellen.
Wir haben einen neuen Internetauftritt gestalten lassen, um unseren Mitgliedern, aber auch Interessenten aktuelle Informationen und einen Überblick über unsere Arbeit zu präsentieren.
Im Namen des Vorstandes wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2012.
Thomas Kluger
Vorsitzender der MG90
Der Verein
Die im Jahre 1990 gegründete „Magdeburgische Gesellschaft von 1990 zur Förderung der Künste, Wissenschaften und Gewerbe“ ist ein eingetragener Verein. Ihr Sitz ist Magdeburg.
Die Gesellschaft ist überparteilich und unkonfessionell.
Zweck und Aufgaben
(1) Zweck der Gesellschaft ist es, das Gemeinwohl der Vaterstadt und ihre humane Entwicklung zu fördern. Die Gesellschaft verfolgt ausschließlich gemeinnützige Zwecke.
(2) Zu den Aufgaben der Gesellschaft gehört insbesondere die Förderung der Wissenschaften durch die Unterstützung von Personen und Projekten.
Nähere Informationen zur/über die Arbeit der Magdeburgischen Gesellschaft sowie zur Mitgliedschaft erhalten Sie in unserer Geschäftsstelle.
Anliegen
Anliegen der Magdeburgischen Gesellschaft von 1990 ist es, Künste, Wissenschaften und Gewerbe zu fördern. Dazu dienen Vorträge, Ausstellungen, Konzerte, Exkursionen sowie die ideelle und materielle Unterstützung von Vorhaben im Sinne der Satzung.
Zur Herzensangelegenheit der Gesellschaft ist während der 2 Jahrzehnte ihres Bestehens geworden, die Kulturgüter, die in unserer durch Kriege arg gebeutelten Stadt noch erhalten sind, zu pflegen, zu bewahren oder durch Nachempfindungen die Erinnerung daran wach zu halten. Schließlich sollen auch unsere Nachkommen erleben, wie schön und geschichtsträchtig ihre Heimatstadt war und ist.
Außerdem hat sich die Magdeburgische Gesellschaft von 1990 immer dann eingemischt, wenn Modernes in Beziehung zu historisch wertvollen Altbauten gesetzt werden sollte und sich für ein harmonisches Stadtbild engagiert. Die Einsprüche wurden beachtet, doch nicht immer sind die Ergebnisse optimal.
Hans P.H. Schuster ist tot:
Er brachte der Stadt das Denkmal der Königin Luise zurück
Von Karl-Heinz Kaiser
Magdeburg. Hans P. H. Schuster ist tot. Am 30. August um 15.20 Uhr schloss er für immer die Augen, teilte gestern seine Familie mit.
Der Mann, der noch vor wenigen Wochen einen Kranz an der von ihm initiierten Königin-Luise-Statue niedergelegt hat, lebt nicht mehr.
Es ist bestürzende Tatsache: Die Stadt Magdeburg hat vorgestern eine außergewöhnliche Persönlichkeit verloren, deren Wirken von Sachkunde, Augenmaß, Zielstrebigkeit und Bür-gersinn für das Gemeinwohl geprägt war.
Hans Paul Hermann Schuster gilt bei vielen als Nestor der Magdeburger Denkmalpflege – beruflich wie ehrenamtlich.
Auf sein Konto geht in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg der Wiederaufbau des Klosters Unser Lieben Frauen, die Instandsetzung des Doms und vieler Magdeburger Kirchen und histo-rischer Bauten, die Wiederaufstellung der Kopie des Magde-burger Reiters 1964 auf dem Alten Markt und die Bewahrung unzähliger plastischer Kunstwerke, Spolien, Putten.
Auf seine Anregung hin erhielt die Johanniskirche in den 1980er Jahren die Aussichtsplattform. Das Magdeburger Urgestein hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, alles, was identitätsstiftend für die Elbestadt ist, zu fördern und zu entwickeln, Kultur, Kunst und Wissenschaft.
1990 begann für Hans Schuster, Unternehmer in dritter Generation, ein besonders erfolgreicher Lebensabschnitt.
Sein ehrenamtliches Engagement rückte dabei immer stärker ins Zentrum. Er war Vorsitzender der Gesellschaft für Denkmalpflege in Sachsen–Anhalt, Vizepräsident des Landesheimatbundes, Vorsitzender des Kuratoriums 1200 Jahre Magdeburg, Mitbegründer der Domfördervereins, Mitglied im Kuratorium zum Wiederaufbau der Johanniskirche.
Als Mitbegründer der Magdeburgischen Gesellschaft von 1990 und deren Vorsitzender wurden Konzerte und Diskussionen, die das geistige Leben in der Stadt bereichern, genauso zum Markenzeichen für ihn und seine Gesellschaft wie handfeste andere Aktivitäten, die Beschilderung von Denkmalen, die Herausgabe von Schriftenreihen zur Geschichte Magdeburgs, die Stiftung der Francke-Medaille.
Hans Schuster initiierte die Vergoldung des Magdeburger Reiters auf dem Alten Markt. Er realisierte die Gedenkstele für den Widerstandskämpfer Henning von Tresckow.
Weithin bekannt wurde die Aktion Altstadtkirchen. Mit Geld aus Bürgerspenden wurden Bronzeplastiken der kriegszerstörten Kirchen und der Synagoge am Originalstandort aufgestellt.
Zu seinen Leistungen zählt die Wiedererrichtung des Denkmals der Preußenkönigin Luise, das in den 1960er Jahren aus ideologischen Gründen geschleift worden war.
2005 wurde er als Kandidat zum Magdeburger des Jahres nominiert.
2003 erhielt Hans P. H. Schuster den Ehrenring der Landeshauptstadt. 2004 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Von 1990 bis 1994 war er Bundestagsabgeordneter der FDP.
Der Tod ereilte ihn nach kurzer, schwerer Krankheit nur wenige Monate vor seinem 82. Geburtstag, den er am 11. November gefeiert hätte.
Nachruf in der Magdeburger „Volksstimme“ am 01.09.2010


MG 90